Landshuter Hochzeit 2017

Größtes Historienspektakel Europas: "Himmel Landshut“ - der frohe Gruß, „Tausend Landshut“ - die stolze Antwort. An hochzeitlichen Tagen leben die Landshuter Bürger in ihrer prunkvollen Vergangenheit. Bei der „Landshuter Hochzeit 1475“ freite der junge Herzog Georg von Bayern-Landshut die Polenprinzessin Hedwig.

Damals feierte man das üppigste Fest der späten Gotik. Heute zelebrieren die Landshuter nicht zuletzt zum eigenen Vergnügen den Gästen aus aller Welt eines der größten und aufwändigsten historischen Kostümfeste Europas. Eine Stadt spielt Mittelalter. So perfekt, dass auch die Historiker begeistert sind. Seit 1903 wird in der alten Hauptstadt Bayerns, der Herzogstadt Landshut, die völkerverbindende Super-Hochzeit alle vier Jahre neu inszeniert.

Unter der Regie des Vereins „Die Förderer“ schlüpfen 2400 Kinder, Jugendliche, Frauen und Männer in historische Kostüme und tauchen als Edeldamen und Junker, Ritter und Reisige, Gesindemägde, Pagen oder Ratsherren in die sinnliche Welt des Mittelalters ein.

An jedem der vier Sonntage zwischen dem 30 Juni. und 23. Juli 2017 läuten Komödianten, Dudelsackpfeifer und „welsch“ aussehende Moriskentänzer den kilometerlangen Festzug mit jeweils rund 150.000 Besuchern aus aller Welt ein. Stadtknechte, edle Damen, Fahnenschwinger und der von acht prächtigen Schimmeln gezogene, goldene Punkwagen der Braut folgen. Ritterspiele und Lagerleben, Mummenschanz, Tanzspiel und viele weitere Veranstaltungen füllen die Festwochen.

Informationen und Tickets unter www.landshuter-hochzeit.de und www.landshut.de


Ungezählte Menschen aus aller Herren Länder haben die „Landshuter Hochzeit 1475“, ein historisches Spiel, das zu den größten Europas zählt, schon erlebt. Weit über 2000 Mitwirkende lassen in originalgetreuen Kostümen dieses herausragende Fest mit der ganzen Pracht des späten Mittelalters wieder aufleben - die Hochzeit der polnischen Königstochter Hedwig mit dem Landshuter Herzogssohn Georg.

Gesandtschaften hatten im Jahr 1474 die Heirat mit der polnischen Königstochter in Radom ausgehandelt. Im Herbst des Jahres 1475 brach die 18-jährige Braut mit großem Geleit von Krakau auf und traf nach zweimonatiger Reise in Landshut ein. Hier empfingen Fürsten und Bischöfe die Braut und der Kurfürst von Brandenburg sprachvon einer Schickung Gottes „zum Nutzen von Christenheit und Reich“.

In der majestätischen Pfarrkirche St. Martin vollzog der Erzbischof von Salzburg die Trauung. Der Brautzug bewegte sich durch den weiten Platz der Altstadt und von oben grüßte wie heute die Burg herab, „eines Königssitzes würdig“. Aus den Fenstern der Häuser sahen die Damen den Rittern beim „Rennen über die Planken“ zu. Im Rathaus führte der Kaiser die Braut zum ersten Reigen und zehntausend Gäste zechten, spielten und tanzten.

Um das Jahr 1880 schmückten Münchner Maler den Prunksaal des Landshuter Rathauses mit Szenen der „Landshuter Hochzeit 1475“. Diese Gemälde erweckten bei einigen Bürgern den Wunsch, den Zug der Fürsten, Bischöfe, Musikanten und Brautleute wieder ins Leben zu rufen. Sie gründeten 1902 den Verein „Die Förderer“ und führten im Jahr 1903 ihren „Brautzug“ zum ersten Mal durch die Stadt.

Bei der Aufführung 2017 lassen sich die Gäste in ein Fest entführen, das durch seine historische Treue zum Dokumentarspiel geworden ist. Das Festspiel im Rathaussaal macht sie mit den aufregenden Vorgängen des Jahres 1475 vertraut. Die Konzerte „Musik zu des Fürsten Hochzeit“ und „Laudate Dominum“ vermitteln den Besuchern die Musikkultur der damaligen Zeit. Die szenische Burleske „Nächtlicher Mummenschanz“ und das „Tanzspiel“ lassen sie zeitgenössische Musik, Tänze und Spiel erleben.

In der „Tavern in der Steckengassen“ frönen sie dem mittelalterlichen Leben mit Musik, Speis und Trank. Bei der „Fechtschule auf der Burg“ erhalten sie Einblick in die Kampfkünste des Fechtmeisters Paulus Kal. „Festliche Spiele im nächtlichen Lager“ stimmen die Gäste auf das große Fest ein, beim „Hochzeitszug“ jubeln sie der Braut zu und auf der „Wiesmahd“ erleben sie spannende „Reiter- und Ritterspiele“.


Festliche Spiele im nächtlichen Lager (Turnierplatz)

Es ist der Vorabend der Hochzeit. Tausende von Gästen haben nach langer Reise ihr Ziel in Landshut erreicht. Das bunte Gefolge der Hochzeitsgäste, das sich auf dem Zehr- und Lagerplatz in Zelten, Schänken und Trosswägen die Zeit vertreibt, erhebt sich im Schein von Holzfeuern zu farbenprächtigen Spielen. Gaukler und Feuerschlucker zeigen ihre Künste, Reisige und Reiter führen Kampfszenen vor, bei Ringelstechen und Feuerkopfrennen werden alte Reiterspiele lebendig.

Inmitten des Geschehens formieren sich die Zunftherren, die einst beim Brautzug die Straßen säumten, mit Stablichtern zu einem Schreittanz. Von einem historischen Preislied auf Herzog Ludwig begleitet, übergeben einige eine Truhe mit dem Brautgeschenk.


Treffpunkt Altstadt (Altstadt)

Einzelne Mitwirkende und Gruppen mit Musik und Tanz beleben die Altstadt, wo sich inmitten der gotischen Bürgerhäuser das festliche Geschehen abspielt, wie einst. Da und dort produzieren sich Komödianten mit deftigen Schwänken. Im unmittelbaren Kontakt mit den Besuchern geben sie einen Vorgeschmack der kommenden Ereignisse und schließen die Besucher von nah und fern in das Fest mit ein.


Festspiel (Rathaus)

Das Festspiel führt die Besucher in die Vorbereitungen der Hochzeit ein. Der Verfasser Leopold Ahlsen lässt den Honoratioren des Hofes und der Stadt ein Komödienspiel vorführen. Dabei erleben diese zusammen mit den Besuchern die Stationen der beschwerlichen Reise der Braut vom Abschied in Krakau bis zur Vermählung in Landshut.

Der Hochzeitszug, der von Pest und Tod heimgesucht wurde, erreicht über Berlin, Wittenberg und Nürnberg nach zwei Monaten sein Ziel, während in der Stadt bereits Hunderte von hohen Gästen auf die Verspäteten warten und der Hof und die Bürger sich - im Spiel - alte Schulden aufrechnen. So entsteht als historischer Hintergrund dieser europäischen Fürstenhochzeit ein Zeitbild, das belehrt und ergreift.


Treffpunkt Trausnitz (Burg Trausnitz / äußerer Burghof)

Die Burg Trausnitz war Residenz der „Reichen Herzöge“ von Bayern-Landshut. Der zwanzigjährige Bräutigam Herzog Georg war 1475 bereits seit sieben Jahren Mitregent und in die Regierungsgeschäfte eingebunden.

Heute ist die Burg stimmungsvolle Kulisse für ein buntes Spektakel mit Zauberer und Feuerschlucker, verschiedenen Musikgruppen, Jongleuren, Komödianten, Gauklern und Fahnenschwingern. Die Gäste haben die Möglichkeit, sich im einmaligen Ambiente der weitläufigen Burganlage - hoch über der Stadt - auf den Hochzeitszug am Nachmittag und die daran anschließenden Reiter-und Ritterspiele einstimmen zu lassen.


Hochzeitszug

Zugweg: Dreifaltigkeitsplatz, Altstadt, Postplatz, Bischof-Sailer-Platz, Neustadt, denselben Weg zurück zum Turnierplatz

Der prunkvolle Einzug der Braut, den uns die Chronisten schildern, findet seine Nachgestaltung in dem Hochzeitszug von weit über zweitausend Mitwirkenden. Die glänzend herausgeputzten Hochzeitsgäste aus Polen und deutschen Landen bewegen sich durch die Stadt. Kaiser, Kurfürst, Fürsten und Grafen, aber auch Gesandte und Bürger, Trossknechte, Reisige und Bettelvolk begleiten die Braut. Damals war ihr Ziel die St. Martinskirche, wo der Erzbischof von Salzburg die Trauung zelebrierte.

Heute wird der Festzug von dem begeisterten „Hallo“ Zehntausender durch die Straßen der ehemaligen Residenzstadt begleitet. Das späte Mittelalter stellt sich in Eleganz und Prunk zur Schau.


Reiter- und Ritterspiele (Turnierplatz)

Der Hochzeitszug mündet auf den Turnierplatz ein, jene „Wiesmahd“, auf der einst die Braut den Boden der Stadt betrat und von ihrem Bräutigam begrüßt wurde. An der erhöhten Hochzeitstafel sitzend nehmen die fürstlichen Gäste und das Brautpaar die Huldigungen entgegen. Fahnenschwinger, Reisige und Ringelstecher zeigen ihr artistisches Können.

Im spannenden „Rennen über die Planken“ kämpfen junge Edelmänner um den Ehrenpreis aus der Hand der Braut: Herzog Christoph von Bayern, Erzherzog Sigmund von Tirol, der junge Markgraf von Brandenburg, der junge Graf von Württemberg und ein Jugendgefährte des Bräutigams, Ludwig von Westerstetten.

Wenn Herzog Christoph der Starke gegen einen polnischen Fürsten anrennt, lebt eine atmosphärische Szene dieser Hochzeit wieder auf, die schon vielen Chronisten bis zur Gegenwart erzählenswert erschien.


Tanzspiel (Rathaus)

An den Festabenden versammeln sich wie einst das Brautpaar und die fürstlichen Gäste zum Tanz. Gemessene Reigen- und Schreittänze der Zeit, aus den Notenbüchern berühmter Zeitgenossen aus ganz Europa rekonstruiert, werden unterbrochen vom Tanz des Kaisers mit der Braut, dem Tanz der polnischen Edelleute und von dem exotischen Tanz der Morisken (Mauren), deren Gestalten uns der Bildhauer Erasmus Grasser überliefert hat. Gleichsam als ein Gastgeschenk aus Polen reitet der „Lajkonik“, eine sagenhafte Gestalt aus der Geschichte Krakaus, ein.


Musik zu des Fürsten Hochzeit (Residenz)

„Umb ain mass wein und ain hoflaybl brot“ - Die „Landshuter Hofkapelle“ erzählt in ihrem Konzert Episoden aus dem Munde eines Gastes der „Landshuter Hochzeit 1475“. Die Geschichte des Erzählers bildet im italienischen Innenhof der Landshuter Stadtresidenz den heiteren roten Faden für die historische „Musik zu des Fürsten Hochzeit“, die mit ihrer spätmittelalterlichen Klangvielfalt ein stimmungsvolles und abwechslungsreiches musikalisches Erlebnis bietet.

Was die Musik betrifft, war die „Landshuter Hochzeit 1475“ ein Anziehungspunkt für Künstler aus aller Herren Länder. So ist überliefert, dass zu dieser Gelegenheit „trumetter, paugker, pfeiffer“ und andere Spielleute des Kaisers Friedrich und der Könige von Polen, Ungarn und von Dänemark mit einer damals sehr stattlichen Summe von 1273 Gulden entlohnt worden waren.

Zusätzlich hatten der Herzog und seine hohen Gäste ihre eigenen Musiker und Musikanten zur Hochzeit beordert, um sie zu begleiten, akustisch in Szene zu setzen und damit möglichst wirkungsvoll zu repräsentieren. Diesen Reichtum an Klängen und Bildern lässt die „Landshuter Hofkapelle“ wieder aufleben.


Laudate Dominum (St. Jodok)

Das Vokalensemble „ad libitum“ und das Instumentalensemble „Musica cumpaneia“ laden die Zuhörer ein, auf den Spuren des Hl. Jakob die große Vielfalt mittelalterlicher geistlicher Musik zu entdecken.

Wie die Pilger auf ihrem Weg nach Santiago de Compostela erleben die Zuhörer die kunstvolle Polyphonie geistlicher Musik, wie sie in den großen Kathedralen dargeboten wurde, und die mitreißende Rhythmik volkstümlicher Pilgerlieder, die abends in den Herbergen gesungen und gespielt wurden.

Einflüsse aus ganz Europa und aus dem Orient verleihen dieser Musik eine große Farbigkeit in Melodien und Harmonien, denn auch die Komponisten geistlicher Motetten, wie z.B. Heinrich Isaac, Antoine Busnois, Guillaume Dufay, Juan de Anchieta und Francisco de Penalosa, fühlten sich in ganz Europa zuhause.

Die gotische Kirche St. Jodok bietet den stimmungsvollen Rahmen für diese musikalische Reise und lässt den Zuhörer in Verbindung mit den Klangwelten des 14. und 15. Jahrhunderts ganz in die Welt des mittelalterlichen Menschen eintauchen.


Fechtschule auf der Burg (Burg Trausnitz / Schwedenwiese)

Kampfkünste des Fechtmeisters Paulus Kal: Zur ritterlichen Ausbildung der jungen Adeligen gehört neben dem Reiten, der Jagd und der Minne auch das Fechten. Der Begriff des Fechtens umfasst den Kampf mit und ohne Waffen, gewappnet und ungewappnet, zu Fuß und zu Pferd. Einer der renommiertesten Ausbilder seiner Zeit in den Kampfkünsten ist der Fechtmeister Paulus Kal. Er lehrt fast drei Jahrzehnte ununterbrochen am Hofe der Landshuter Herzöge und genießt deren uneingeschränktes Vertrauen.

Am Rande der Feierlichkeiten der Hochzeit treffen sich der Meister und seine Schüler, um dem höheren und niederen Publikum ihr Können mit dem Langschwert, mit Schwert und Buckler, mit dem Kriegshammer und mit anderen gebräuchlichen Waffen zu demonstrieren.

Der besondere Stellenwert der Vorführung wird durch die Anwesenheit eines prominenten Fechtschülers aus dem Kreis des Hochadels unterstrichen. Die gelöste Atmosphäre des Festes und die prächtige Kulisse der Burg und der Martinskirche beflügeln den jugendlichen Tatendrang der Kämpfer und lassen so manche Übung unerwartet enden.


Nächtlicher Mummenschanz (Residenz)

Der Glaube an Dämonen war in der mittelalterlichen Gesellschaft tief verwurzelt. In der Vorstellungswelt der Menschen tummelten sich nicht nur eine Menge Geister aus der Zeit vor der Christianisierung, auch die Kirche ängstigte sie mit der Furcht vor Hölle und ewiger Verdammnis. Unzählige, teils drastische Darstellungen an den Wänden der Kirchen erinnerten die Gläubigen bei jedem Gottesdienst daran und waren auch Mahnung, ein gottgefälliges Leben zu führen.

In unserer Geschichte erliegen die Männer einer kleinen Stadt den Verlockungen in einer Schänke. Im täglichen Leben vernachlässigen sie ihre Pflichten und sind bald zu nichts mehr zu gebrauchen. Als sie merken, dass der Teufel selber der Wirt der Schänke ist, ist es bereits zu spät.

Sie sind ihrer Seelen beraubt und haben statt ihrer eigenen Köpfe die von Tieren auf. Die Frauen beschließen, die Seelen ihrer Männer zurückzuholen und besuchen selbst die „Schänke des Teufels“ - nicht ohne ihrerseits beinahe den Verlockungen dort zu erliegen. Doch rechtzeitig erkennen sie die Gefahr und ersinnen eine List, mit der sie ihre Männer erlösen.


Tavern in der Steckengassen (Salzstadel)

Wollust für Ohren, Augen und Wänste: Die Joculatores sind die Spielleute und Spaßmacher in einem spätmittelalterlichen Schankhaus – gebetene und unbotmäßige Gäste zugleich. Im stimmungsvollen Ambiente des historischen Salzstadels zelebrieren sie einen Abend voll „zimlicher Wollust“.

Ein derb-grotesker Bilderbogen von 1475 zwischen Spielleut-Hölle und Küchen-Himmel. Der Wirt hat die besten Stücke gebraten, dazu kredenzt er roten und weißen Wein, Wasser und reines Bier. Und so ist es, wie in den „Carmina Burana“ gesungen ward: „Wenn wir in der Tavern sitzen, kümmert uns kein Erdenlos!“


Lagerleben (Lager- und Zehrplatz)

Mit dem Lagerleben klingt das Spiel von der Hochzeit Herzog Georgs mit der „Polenkönigin“ Hedwig aus. Am Rande des Turnierplatzes haben sich die einzelnen Gruppen ihre Unterkünfte geschaffen, wo sie beim Brutzeln der Spanferkel und Kreisen der Humpen, bei Musik und Schalkereien den Tag beenden.

Hier, zu Füßen des Martinsturmes und der Burg Trausnitz, herrscht ungezwungenes „mittelalterliches Treiben“, solange die Gäste ausharren und mitfeiern, bis sich die Gestalten wieder im Dunkel der Vergangenheit verlieren.

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